Winnenden, 11. März 2009 - Tim Kretschmer zückt in der Albertville Realschule eine Waffe und schießt. Insgesamt zwölf Lehrerinnen, Schülerinnen und Schüler werden durch die Kugeln tödlich verletzt, bis die Polizei den Täter zur Flucht zwingen kann. Hier tötet Tim drei weitere unbeteiligte Menschen, bevor er sich nach stundenlanger Flucht selbst richtet. Eine Tat, die Deutschland geschockt hat, auch uns hier selbst. Selbstverständlich fühlen wir mit den Hinterbliebenen und den anderen neun Opfern, die schwer verletzt wurden und die Aufarbeitung der Ereignisse wahrscheinlich noch eine ganze Weile dauern wird.
Nun, nach beinahe sechseinhalb Monaten nach der verheerenden Tat, kommt der für die Aufarbeitung der Ereignisse einberufene "Expertenkreis Amok" zu einem Ergebnis: Ihr Abschlussbericht wurde vor wenigen Tagen veröffentlicht. Der "Expertenkreis" besteht vorwiegend aus Amtsträgern wie Minister, Richter und hohe Polizeibeamte, sowie Psychologen, Kriminologen, Jugendschutz - und letztlich auch die betroffenen Eltern der Opfer.
Nach etlichen Anhörungen von Experten wie Martin Bachmayer (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware; Microsoft) und Sabine Frank (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia Anbieter) kommt der "Expertenkreis" zum Schluss, dass ein Verbot von "Killerspielen" ein zwingendes Ziel sein muss, ebenso wie eine weiterführende Zensur des Internets auf Basis des Kinderpornofilters in Bezug auf gewalthaltige Inhalte. Begründet werden diese Forderungen mit der "Tatsache", dass eine "intensive Beschäftigung mit Videofilmen und Computerspielen mit gewaltrelevanten Inhalten auffällig" sei und dazu führen, dass Amokläufer "zum Teil über enorme Treffsicherheit durch Einübung mit scharfen Waffen oder bestimmten Computerspielen" besäßen. Außerdem soll das Waffengesetz weiter verschärft werden.